Chronik
Chronik des Ortsvereins Kissing 1949-1996¹
Der dem Kreisverband Aichach-Friedberg angeschlossene Ortsverein Kissing - der größte Schwabens - nimmt wegen der Zahl seiner Mitglieder eine Sonderstellung ein. Mehr noch: Entgegen dem allgemeinen Trend entwickeln sich seine Mitgliederzahlen in den letzten eineinhalb Jahrzehnten positiv. Der auf Initiative von Karl Hanel am 30. April 1949 mit 17 Mitgliedern gegründete Ortsverein stand zunächst unter der kommissarischen Leitung von Josef Koblischke und Karl Schwarz, der dann auf einer wenig später eigens einberufenen Versammlung zum 1. Vorsitzenden gewählt wurde (1975 Ehrenvorsitzender). Bereits im Herbst dieses Jahres 1949 konnten Mitglieder die erste Sammlung durchführen und von einem Teil des Erlöses für Notleitende Weihnachtsgeschenke beschaffen. Ebenfalls schon 1949 kümmerte man sich um die Verteilung von CARE-Paketen.
Während in den nächsten beiden Jahrzehnten der Ortsverein unter Josef Dimter und Ernst Drechsel eine zwar bescheidene, aber kontinuierliche Aufwärtsentwicklung erlebte und z.B. bei der 1958 eingeführten Stadtranderholung eng mit dem Ortsverein Mering kooperierte, trat dank neuer Aktivitäten unter dem Vorsitz von Hermann Just (gest. 1974) ein deutlicher, auch an dem Anstieg der Mitgliederzahlen ablesbarer Aufschwung ein. Anfang 1972 bildete sich auf Anregung von Helmut M. Selzer, Gerhard Hlawa, Karl Schwarz, dem 2. Bürgermeister, und Erich Thren, dem Vorsitzenden des Elternbeirats, ein Initiativkreis für Vorschulerziehung. Da die Leiterin der Grundschule das Vorhaben förderte, konnte sich im Mai 1972 in einem der Klassenzimmer eine Gruppe mit vorschulpflichtigen Kindern an drei Nachmittagen in der Woche unter Leitung von Maria Juppe zu altersgerechten Spiel-, Sport- und auch Sprechübungen zusammenfinden. Finanzielle Unterstützung fand diese erfolgreiche Aktion von seiten der Gemeinde Kissing, dem Ortsverein und dem Bezirksverband. Nach dem unerwarteten Ableben von Hermann Just übernahm 1974 Günter Vogt zuerst kommissarisch, dann gewählt das Amt des 1. Vorsitzenden. Mit ihm, der 1985 die Goldene Verdienstspange des Bezirksverbandes und 1992 die Silberne Ehrennadel des Landkreises Aichach-Friedberg erhielt, setzte ein bis heute ungebrochener Aufschwung des Ortsvereins ein. Zählte 1974 der Ortsverein 116 Mitglieder, so stieg deren Zahl rapide an. Fünf Jahre später waren es bereits 440, davon 110 Jugendliche. Bis 1997 hat sich dieser Trend fortgesetzt.
Das unter Ernst Drechsel Ende der fünfziger Jahre begonnene Tätigkeitsfeld der Erholungsmaßnahmen konnte stark ausgeweitet werden. Starke Nachfrage herrscht z.B. stets bei den teilweise im Zusammenhang mit den Ferienprogrammen der Gemeinde organisierten Stadtranderholungen, die erstmals 1977 in eigener Regie in Ottmaring stattfanden. Sie konnten im Laufe der Jahre beispielsweise in der Friedenau (bis 1987) - hier hatte 1961 das Meringer AW-Mitglied Paul Landsberger eine Wirtschaft übernommen und für diesenZweck zur Verfügung gestellt -, Bachern usw. durchgeführt werden. Zu den Zielen der Erholungsverschickungen zählten u.a. Niederraunau, die Nordsee ebenso wie die Südtiroler Gemeinden Antholz, Kiens, Terenten und Vals. Seit 1977 sind die Erholungsmaßnahmen besonders für kinderreiche Familien in Zwiesel ein inzwischen traditioneller Bestandteil des Programms des Ortsvereins. Der am 6. März 1976 eingerichtete Altenklub wurde ab Herbst 1976 mit der Bezeichnung "Seniorenclub" unter Leitung von Johanna Gilch bis zu ihrem Tod 1990 geleitet. Am 31. Januar 1991 übernahm Edeltraud Thomas die Nachfolge. Zur Demonstration der vielfältigen Aktivitäten reicht es, ein einziges Jahr herauszugreifen. So wurden in der Zeit vom 16.1.1992 bis 25.2.1993 - neben den "klassischen" Feiern zu Fasching, Ostern, Muttertag, Advent und Weihnachten - 26 Seniorennachmittage mit durchschnittlich 50-75 Teilnehmern durchgeführt. Auf dem Programm allein des Jahres 1992 stand eine Filmvorführung über das Mühlengassenfest in Alt-Kissing (12.3.) ebenso wie der Besuch Hans Breuers, des ehemaligen Oberbürgermeisters von Augsburg, der über seine Amtszeit berichtete (26.3.). Die nächsten Veranstaltungen hatten informativen Charakter, so zu neuen gesetzlichen Regelungen (9.4.), zu Hausnotrufsendern durch einen Vertreter des Bayerischen Roten Kreuzes (23.4.), zur Seniorenpolitik des Landkreises (21.5.), zu Sehhilfen (4.6.), zur aktuellen Kommunalpolitik (16.7.), zu Ursachen der höheren Lebenserwartung (24.9.) sowie zu Haustürgeschäften, Kaffeefahrten (22.10.) usw. Schließlich gab Alfons Schier, Vorsitzender des Kreisverbandes Krumbach und Leiter der Rumänienhilfe der AW, einen Bericht über deren Tätigkeit (19.11.). Des weiteren veranstaltete der Seniorenclub wöchentliche Gymnastikstunden mit rund 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie monatliche Kegelnachmittage. Außerdem wurden noch drei Ausflüge und zwei Wandertage organisiert. Jeden Mittwoch fand zusätzlich "Omas Spielstube" statt, in der von 9-12 Uhr Kinder im Alter von ein bis sechs Jahren betreut werden. Ein Jugendclub konnte am 11. November 1978 unter der Leitung von Siegfried Gritzner eingerichtet werden; als Unterkunft standen zuerst zwei angemietete Räume im alten Rathaus zur Verfügung. Bereits ein Jahr später, 1979, hatten sich sechs, in verschiedene Altersstufen unterteilte Gruppen mit insgesamt 110 Mitgliedern gebildet. Alle 14 Tage war Jugendtreff, bei dem gesungen und diskutiert wurde sowie Ausflüge und Aktionen vorbereitet wurden. Zum gemeinsamen Programm gehörten Säuberungsaktionen in Wald und Flur ebenso wie Segeltörns oder Skilager. Seit 1992 ruht das in den letzten Jahren von Erika Horkheimer betreute Ortsjugendwerk. Die im Schuljahr 1978/79 unter Leitung eines Lehrers gegründete, von der Gemeinde unterstützte tägliche Hausaufgabenhilfe konnte ebenfalls, abgesehen von kleinen Unterbrechungen, bis 1992 fortgesetzt werden. Zuletzt wurde sie von einer durch das Arbeitsamt geförderten Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (ABM) betreut. Wegen der Mittelkürzungen für die alten Bundesländer konnte diese Aktion nicht mehr weitergeführt werden. Nach Baubeginn und Rohbaufertigstellung 1989 konnte im November 1990 die Begegnungsstätte in der Blumenstraße 11 eröffnet werden. Mit ihr hatte auch die mehrmals verlegte Geschäftsstelle des Ortsvereins eine feste Bleibe gefunden. Schon zwei Jahre später stellte sich heraus, dass die Begegnungsstätte wegen der anhaltend steigenden Mitgliederzahl für große Veranstaltungen zu klein war. Der Ortsverein hält hier seine Vorstandssitzungen und Jahreshauptversammlungen sowie seine montäglichen Sprechstunden ab; der Seniorenclub kann sie für seine vielfältigen Aktivitäten nutzen. Neben kalendarischen Festen wird die Begegnungsstätte für Feiern aus familiären Anlässen (Taufen, Kommunion bzw. Konfirmation, Geburtstage und Hochzeiten) auch von Nichtmitgliedern genutzt. Örtliche Vereine - ob Gartenbau- und Kleingartenverein, Donauschwaben, Sudetendeutsche Landsmannschaft, Braunauer oder das Bayerische Rote Kreuz - nehmen die Begegnungsstätte zur Abhaltung von Jahreshauptversammlungen ebenso in Anspruch wie andere Interessensgruppen, örtliche Firmen, das Ortskartell des DGB oder der Ortsverein der SPD. Die Theatergruppe "Hiasl-Bühne" findet hier für Proben und Aufführungen geeignete Räumlichkeiten. Im Jahr 1992 erhielt die Arbeiterwohlfahrt die Trägerschaft für den neuen viergruppigen Kindergarten. Im Zentrum des mit einem Kostenaufwand von 2,3 Millionen DM errichteten Gebäudes ist ein zweistöckiger Bau, um den sich vier Häuser gruppieren. Am 1. September 1993 konnte der Kindergarten seinen Betrieb aufnehmen. Der monatliche Beitrag hatte zu diesem Zeitpunkt eine Höhe von 112 DM (ohne Spiel- und Getränkegeld); die elf mal jährlich erhobene Zahlung beträgt gegenwärtig (1997) 122 DM. Unter der Leitung von Gertrud Kefer-Gröb werden derzeit (Stand 1.7.1997) 118 Kinder betreut. Um diese Aufgaben erledigen zu können, bedarf es eines großen und engagierten Stabes: Die Zahl der ehrenamtlichen Mitarbeiter um einen 20-köpfigen Vorstand mit Günter Vogt an der Spitze liegt seit Jahren bei einer Größenordnung um 30 Personen. ¹aus: Freie Wohlfahrtspflege vor Ort: 70 Jahre Arbeiterwohlfahrt Bezirksverband Schwaben; 1927-1997 / Josef Mancal; Heinz Münzenrieder. - Augsburg: Wißner, 1997; ISBN 3-89639-073-2 |